Neugriechisch und Altgriechisch: gleiche Buchstaben, andere Laute
Alt- und Neugriechisch verwenden dieselben 24 Buchstaben, doch die Aussprache hat sich in über zweitausend Jahren stark verändert. Die Tabelle folgt dem heutigen Griechisch, wie es in Griechenland und Zypern gesprochen wird.
Am auffälligsten ist der sogenannte Itazismus: η, ι und υ sowie die Verbindungen ει und οι klingen heute alle wie [i]. αι wird [e] gesprochen, ου wie deutsches u. Auch Konsonanten haben sich verschoben: β ist ein w-Laut, δ entspricht dem stimmhaften englischen th in this, θ dem stimmlosen th in think, γ ist ein weicher Reibelaut (vor e und i fast wie j), χ klingt wie ch in Bach bzw. vor e und i wie in ich. Für b, d und g schreibt das Neugriechische Konsonantengruppen: μπ, ντ und γκ.
Wer am humanistischen Gymnasium oder im Studium Altgriechisch lernt, liest die Texte meist mit der erasmischen Aussprache. Sie gibt jedem Buchstaben einen eigenen Laut: β = b, η = langes, offenes e, υ = ü, ει = ei, ευ = eu, θ, φ und χ als t, f und ch (gelehrt wird teils auch behauchtes t, p, k). Das ist nicht die Aussprache des klassischen Athen, erleichtert aber Rechtschreibung und Formenlehre. Für Texte mit Spiritus, drei Akzenten und Iota subscriptum gibt es auf dieser Seite eine altgriechische Tastatur.
Griechische Buchstaben in Mathematik und Naturwissenschaften
Viele suchen das griechische Alphabet für Mathe, Physik oder Chemie. Die wichtigsten Zeichen: π (Kreiszahl), Σ (Summenzeichen), Π (Produktzeichen), Δ (Differenz oder Änderung), α, β, γ (Winkel), φ (Winkel, goldener Schnitt), λ (Wellenlänge, Eigenwert), μ (Mikro, Erwartungswert), σ (Standardabweichung), ε (beliebig kleine Zahl, Permittivität), ρ (Dichte), ω (Kreisfrequenz) und Ω (Ohm). Vorsicht bei Doppelgängern: ν (Ny) ist kein v, ρ (Rho) kein p und χ (Chi) kein x.
Schluss-Sigma, Akzente und Satzzeichen
Das Sigma ist der einzige Buchstabe mit zwei Kleinformen: σ am Wortanfang und im Wort, ς am Wortende, etwa in σεισμός (Erdbeben).
Seit 1982 gilt im Neugriechischen das monotonische System: ein einziger Akzent, der Tonos (ά, έ, ή, ί, ό, ύ, ώ), auf der betonten Silbe mehrsilbiger Wörter. Das Trema (ϊ, ϋ) zeigt, dass zwei Vokale getrennt gesprochen werden. Altgriechische Texte behalten das polytonische System mit Spiritus lenis und asper sowie Akut, Gravis und Zirkumflex. Als Fragezeichen dient ;, der Hochpunkt (·) ersetzt das Semikolon.
Herkunft des griechischen Alphabets
Die Griechen übernahmen um das 8. Jahrhundert v. Chr. die phönizische Schrift und ergänzten Zeichen für Vokale. So entstand die erste Alphabetschrift, die Vokale und Konsonanten durchgehend schreibt. Es gab mehrere regionale Varianten; Athen führte 403 v. Chr. offiziell das ionische Alphabet ein, das zum Standard wurde. Eine westgriechische Variante gelangte über die Etrusker nach Rom und wurde zum lateinischen Alphabet. Im 9. und 10. Jahrhundert entstand die kyrillische Schrift weitgehend auf Grundlage der griechischen, daher die Ähnlichkeit von Г, Д, П und Ф.