Bis auf ein paar Tasten hat die Tastatur, auf der Sie tippen, noch das Layout einer Schreibmaschine aus den 1870er-Jahren. So ist es dazu gekommen.

Die ersten Maschinen (1714–1860)

Die wichtigsten Etappen, vom Patent Henry Mills bis zu Gehirn-Computer-Schnittstellen.
Die wichtigsten Etappen, vom Patent Henry Mills bis zu Gehirn-Computer-Schnittstellen.

Die Idee einer Maschine, die Buchstaben einzeln schreibt, ist alt. 1714 ließ sich der Engländer Henry Mill eine „künstliche Maschine“ zum Drucken von Buchstaben patentieren. Ob sie je gebaut wurde, weiß niemand: Es ist keine Spur von ihr erhalten.

Um 1808 baute der Italiener Pellegrino Turri eine Maschine für seine Freundin, die erblindete Gräfin Carolina Fantoni da Fivizzano, damit sie schreiben konnte, ohne das Blatt zu sehen. Mehrere ihrer maschinengeschriebenen Briefe sind erhalten. Turri wird oft auch die Erfindung des Kohlepapiers zugeschrieben, das in seiner Maschine als Farbe diente.

1829 patentierte der Amerikaner William Austin Burt den „Typographer“, eine Holzmaschine, bei der man jeden Buchstaben mit einer Drehscheibe auswählte. Sie war langsamer als Handschrift und kam nie in den Handel.

Sholes und die Geburt von QWERTY (1868–1878)

In den 1860er-Jahren arbeitete der Drucker Christopher Latham Sholes in Milwaukee mit Carlos Glidden und Samuel Soule an einer Schreibmaschine. Ihr Patent stammt von 1868. Beim ersten Modell lagen die Tasten in alphabetischer Reihenfolge in zwei Reihen, wie bei einem kleinen Klavier.

In den folgenden Jahren änderte sich die Anordnung mehrmals, bis sie um 1873 dem heutigen QWERTY ähnelte. Die übliche Erklärung ist mechanisch: Bei diesen Maschinen verhakten sich die Typenhebel, wenn man zwei benachbarte Buchstaben schnell hintereinander anschlug, also soll Sholes häufige englische Buchstabenpaare auseinandergelegt haben. Das ist plausibel, aber umstritten: Manche Historiker meinen, das Layout sei vor allem an die Bedürfnisse von Telegrafisten angepasst worden, die zu den ersten großen Nutzern dieser Maschinen gehörten.

Sholes verkaufte seine Rechte an den Waffenhersteller Remington. Die Remington No. 1 kam 1874 auf den Markt; sie schrieb nur Großbuchstaben und verkaufte sich schlecht. Die Remington No. 2 von 1878 brachte die Umschalttaste, die den Wagen verschob, um zwischen Klein- und Großbuchstaben zu wechseln. Mit ihr setzte sich QWERTY dauerhaft durch.

Warum QWERTY gewann

Ab den 1880er-Jahren brachten Schreibschulen das Zehnfingersystem auf QWERTY bei. Es gab konkurrierende Layouts, etwa das der Blickensderfer, doch Firmen kauften die Maschinen, die ihre Schreibkräfte beherrschten, und Schreibkräfte lernten das Layout, das die Firmen benutzten. Als dieser Kreislauf einmal bestand, hatte niemand mehr einen Grund zu wechseln. Ökonomen nennen das Pfadabhängigkeit.

Andere Länder passten QWERTY an ihre Sprache an, statt es zu ersetzen: Deutschland und Mitteleuropa mit QWERTZ und eigenen Tasten für Ä, Ö, Ü und ß, Frankreich und Belgien mit AZERTY.

1936 schlug Professor August Dvorak ein Layout für das Englische vor: Vokale unter der linken Hand, die häufigsten Konsonanten unter der rechten und die meisten Anschläge auf der mittleren Reihe. Seine Anhänger halten es für schneller und weniger ermüdend; die Studien, die das belegen sollen, sind alt und umstritten. Über einen Kreis von Enthusiasten ist es nie hinausgekommen.

Das elektrische Zeitalter (1930–1980)

1961 brachte IBM die Selectric heraus. Die Typenhebel verschwanden: Alle Zeichen saßen auf einem kleinen Kugelkopf, der sich drehte und auf das Farbband schlug. Man konnte die Schrift wechseln, indem man den Kugelkopf tauschte, und Verhaken war nicht mehr möglich. Zwanzig Jahre lang war sie die Standardmaschine im Büro.

Mit den Computerterminals diente die Tastatur nicht mehr nur zum Schreiben, sondern auch dazu, einer Maschine Befehle zu geben. Sie bekam neue Tasten:

  • Esc, Anfang der 1960er-Jahre eingeführt, um Terminals Sonderbefehle zu senden;
  • Strg (Ctrl), vom Fernschreiber übernommen, die Steuerzeichen wie den Zeilenvorschub sendet;
  • Pfeiltasten, um den Cursor zu bewegen, als es noch keine Maus gab. Auf manchen Terminals waren sie auf die Tasten H, J, K und L gedruckt, daher die Tastenkürzel des Editors vi.

Die PC-Tastatur (1985)

1985 stellte IBM das Model M vor. Seine Knickfeder-Tasten erzeugen ein lautes, klares Klicken, und es gilt als nahezu unverwüstlich: Viele sind noch im Einsatz. Vor allem legte es das „101-Tasten“-Layout fest, das die meisten heutigen Tastaturen haben: Funktionstasten oben, Pfeiltasten im umgekehrten T, Ziffernblock rechts.

Telefon und Touchscreen (2000 bis heute)

Anfang der 2000er-Jahre zeigte das BlackBerry, dass man mit den Daumen auf einer winzigen Hardwaretastatur schnell tippen kann.

2007 ersetzte das iPhone sie durch eine Tastatur auf dem Bildschirm. Weil es keine Tasten zum Ertasten gibt, korrigiert die Software Tippfehler und vergrößert unauffällig die Trefferfläche der wahrscheinlichsten Buchstaben: Nach „H“ trifft man das „E“ leichter als das „Z“.

Dann kam das Wischen über die Tastatur, um 2010 durch Swype populär geworden: Man zieht den Finger von Buchstabe zu Buchstabe, ohne ihn abzusetzen, und die Software erkennt das Wort an der Spur. Zu den Erfindern gehörte Cliff Kushler, der schon T9 für die alten Tastenhandys miterfunden hatte.

Wie geht es weiter?

Spracheingabe ist zuverlässig geworden, und wir sprechen schneller, als wir tippen. Für öffentliche Orte, Code oder das Überarbeiten von Texten taugt sie aber wenig.

Auch Gehirn-Computer-Schnittstellen machen Fortschritte. 2021 ermöglichten Forscher in Stanford einem gelähmten Mann, rund 90 Zeichen pro Minute zu schreiben, indem er sich vorstellte, von Hand zu schreiben. Solche Implantate sind noch der medizinischen Forschung vorbehalten.

Die Tastatur aber ist geblieben, mit einem Layout aus Remingtons Zeiten. Die virtuelle Tastatur ist ihre jüngste Form: Derselbe Bildschirm kann Arabisch, Russisch oder Japanisch zeigen, ohne dass man die Hardware wechselt.

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Abdelmounaim Akadid

Abdelmounaim Akadid

Begeistert von Technik, Webentwicklung und Sprachen. Gründer von ClavierVirtuel.com, einem Werkzeug, das mehrsprachiges Tippen für alle einfach machen soll.

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