Eine Abugida: Der Konsonant trägt den Vokal
Devanagari schreibt nicht jeden Laut als eigenen Buchstaben wie das lateinische Alphabet. Jeder Konsonant enthält ein kurzes a (gesprochen [ə], ähnlich dem e in „bitte“): क liest sich ka, म liest sich ma. Eine solche Schrift heißt Abugida. Die vollen Vokalbuchstaben der Tabelle stehen nur am Wortanfang oder nach einem anderen Vokal (आम ām, „Mango“). Sonst wird der Vokal als Matra geschrieben, ein Zeichen am Konsonanten: का kā, की kī, कु ku, के ke, को ko.
Die Matras stehen rund um den Buchstaben: rechts (ा, ी), darunter (ु, ू) und darüber (े, ै). Am verwirrendsten ist das kurze i, ि, das vor dem Konsonanten steht, aber nach ihm gesprochen wird: कि ist ki, हिंदी ist hindī. Fast alle Buchstaben hängen an einer waagerechten Linie, der Shirorekha, die die Buchstaben eines Wortes verbindet. Groß- und Kleinbuchstaben gibt es nicht.
Virama, Ligaturen und das stumme a
Um einen Konsonanten ohne Vokal zu schreiben, setzt man den Virama (auch Halant) ् darunter: क् ist ein bloßes k. Im Wortinneren verschmelzen zwei Konsonanten ohne Vokal dazwischen meist zu einer Ligatur. Der erste verliert oft seinen senkrechten Strich (स्त in नमस्ते), र wird zu einem Häkchen über dem folgenden Buchstaben (र्म in धर्म) oder zu einem Schrägstrich unter dem vorigen (प्र in प्रेम). Vier Ligaturen sind so häufig, dass sie wie Buchstaben gelernt werden: क्ष kṣa, त्र tra, ज्ञ (im Hindi gya gesprochen, wie in ज्ञान gyān) und श्र śra.
Gesprochenes Hindi lässt außerdem viele inhärente a weg, die sogenannte Schwa-Tilgung. कमल wird ka-ma-la geschrieben, aber kamal gesprochen; समझना spricht man samajhnā. Das a am Wortende ist fast immer stumm, eines in der Wortmitte oft. Wer Buchstabe für Buchstabe liest, spricht deshalb falsch aus.
Laute, die deutsche Ohren überhören
Die Konsonanten sind nach dem Artikulationsort geordnet, von der Kehle bis zu den Lippen: velar, palatal, retroflex, dental, labial, danach Halbvokale und Zischlaute. Jede Fünferreihe geht von stimmlos über stimmlos behaucht, stimmhaft und stimmhaft behaucht bis zum Nasal. Zwei Gegensätze unterscheiden Wörter:
- Behaucht oder nicht: काल kāl („Zeit“) und खाल khāl („Haut“) unterscheiden sich nur durch den Hauch nach dem k. Deutsch behaucht p, t, k am Silbenanfang automatisch, daher klingt ein deutsches k eher wie ख. Für क muss man den Hauch unterdrücken. Die stimmhaft behauchten घ, झ, ढ, ध, भ kennt das Deutsche gar nicht.
- Retroflex oder dental: Bei ट und ड biegt sich die Zungenspitze zum Gaumen zurück, bei त und द berührt sie die Zähne.
Buchstaben mit einem Punkt darunter, dem Nukta, stehen für Laute aus dem Persischen, Arabischen und Englischen: ज़ z, फ़ f, क़ q. ड़ und ढ़ sind retroflexe Flaps, etwa in सड़क saṛak („Straße“).
Eine Schrift für mehrere Sprachen
Dieselbe Schrift dient für Marathi, Nepali und Sanskrit sowie für Konkani und Maithili. Die Regeln unterscheiden sich: Im Sanskrit wird jedes inhärente a gesprochen, Marathi kennt zusätzlich den Buchstaben ळ. Devanagari-Ziffern (०–९) erscheinen weiterhin in Büchern und Zeitungen, im amtlichen Gebrauch sind jedoch internationale Ziffern üblich. Ein Klick auf ein Zeichen der Tabelle kopiert es; um ganze Wörter und Sätze zu schreiben, wechseln Sie zur virtuellen Hindi-Tastatur.